Krippen als Bildungsinstanz überschätzt!
by kai | 07/04/2012 18:45
Die Warnung des 8. Familienberichts wird überhört und ignoriert
Mittelschichtkinder verlieren an Entfaltungschancen – Selbst bei “Risikokindern” nur geringe Effekte
Der öffentlichen Auseinandersetzungen um das ab 2013 geplante Betreuungsgeld liegt eine massive Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit von Kinderkrippen zu Grunde. Darauf weist das Familiennetzwerk schon seit Jahren hin und wird jetzt durch den kürzlich erschienenen http://www.kinderaerztliche-praxis.de/index.php?id=5113&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[search]=Gruppenbetreuung&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[year]=2011&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[page]=&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[showDetail]=19512&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[magazine][0]=Kinder%C3%A4rztliche%20Praxis>Auswirkungen[1] frühkindlicher Gruppenbetreuung auf die Entwicklung und Gesundheit von Kindern. Kinderärztliche Praxis?82?(2011)?Nr.?5)
Und selbst der Befürworter institutioneller Frühförderung der amerikanische Bildungsökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger James Heckman räumt den Eltern und vor allem den Müttern eine zentrale Rolle bei der Entwicklung ihrer Kinder ein:
“Gute Erziehung braucht Zeit, eine materielle Grundausstattung und Glück. Und vor allem Aufmerksamkeit für das Kind …. Die Eltern müssen ihre Erziehung verändern, mehr Zeit mit dem Kind verbringen, es stärker motivieren. … hier in Chicago … gibt es ein Wohnungsprojekt in einer armen Gegend, in denen Kinder unter miserablen äußeren Bedingungen aufwachsen. Aber die Mütter – und normalerweise nur sie – haben auf ihre Kinder geachtet. Sie haben sie vor der Umgebung beschützt, sie in die Schule geschickt und ihnen geholfen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Diese Kinder haben sehr viel erreicht, obwohl sie unter schlechten Bedingungen aufgewachsen sind”. (Aus: “Eltern müssen in die Schule”. Interview mit dem Ökonomen und Nobelpreisträger James Heckman. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.03.2012, S. 35)
Angesichts dieser Fakten sollten sich unsere Gesellschaft, unsere Politik und Wirtschaft von ihrer einseitigen Bevorzugung öffentlicher Betreuung für Kleinkinder verabschieden. Auch wer diese Betreuung für unverzichtbar hält, sollte wissen, dass sie niemals mehr als einen “familienergänzenden Bildungs- und Erziehungsauftrag” (8. Familienbericht) wahrnehmen kann. Daraus gilt es endlich die politischen Konse-quenzen zu ziehen und den notwendigen wirtschaftlichen wie rechtlichen Freiraum für Eltern und ihre Kinder zu schaffen.
Das Familiennetzwerk ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Vereinen, Institutionen, Familien und Wissenschaftlern. Es setzt sich u.a. dafür ein, dass die Bedürfnisse der Kinder in der Vereinbarkeitsdebatte berücksichtigt werden und finanzielle Gerechtigkeit für Familien hergestellt wird.
Kontakt:
Familien e. V.
Dorothea Böhm
Am Alten Dreisch 32b
33605 Bielefeld
0521 9201444
http://www.familie-ist-zukunft.de
dorothea.boehm@arcor.de
Pressekontakt:
Familiennetzwerk
Dorothea Böhm
Am Alten Dreisch 32b
33605 Bielefeld
dorothea.boehm@arcor.de
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Endnotes:- Auswirkungen”>http://www.kinderaerztliche-praxis.de/index.php?id=5113&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[search]=Gruppenbetreuung&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[year]=2011&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[page]=&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[showDetail]=19512&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[magazine][0]=Kinder%C3%A4rztliche%20Praxis>Auswirkungen: http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung2/Pdf-Anlagen/Achter-familienbericht,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf8″http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung2/Pdf-Anlagen/Achter-familienbericht,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf8/a.%20Familienbericht%20der%20Bundesregierung/a%20bestätigt.%20Selbst%20bei%20guter%20Qualität%20der%20externen%20Betreuungseinrichtung%20verlieren%20demnach%20Kinder%20aus%20Mittelschichtfamilien%20an%20persönlichen%20Entwicklungsmöglichkeiten:/pp“Andere%20Analysen%20zeigen%20jedoch,%20dass%20die%20Berufstätigkeit%20der%20Mütter%20mit%20negativen%20Entwicklungsergebnissen%20des%20Kindes%20zusammenhängt,%20wenn%20die%20Familien%20nicht%20in%20ökonomisch%20belasteten%20Situationen%20sind%20(Mittel-%20und%20Oberschichtfamilien).%20Dies%20unterstützt%20wiederum%20die%20“lost-resource”-Hypothese%20für%20diese%20Familientypen.%20Dem%20Kind%20entgeht%20also%20durch%20die%20außerfamiliäre%20Betreuung%20die%20Bildung%20und%20Erziehung%20durch%20seine%20gut%20gebildete%20und%20erziehungskompetente%20Mutter.%20…%20Für%20Kinder%20aus%20der%20Mittel-%20und%20Oberschicht%20bleibt%20das%20Bildungsangebot%20in%20den%20Kindertageseinrichtungen%20hinter%20der%20familiären%20Bildungsanregung%20zurück.”%20(Aus:%20Zeit%20für%20Familie.%20Familienzeitpolitik%20als%20Chance%20einer%20nachhaltigen%20Familienpolitik.%20Achter%20Familienbericht.%20März%202012.%20S.%20102)%20%20%20/ppDie%20Unkenntnis%20dieser%20Tatsache%20hat%20gerade%20bei%20bildungsorientierten%20Eltern%20eine%20Dynamik%20ausgelöst,%20die%20gesellschaftspolitisch%20und%20volkswirtschaftlich%20negative%20Effekte%20erwarten%20lassen.%20“Die%20Betreuungsquote%20(Tageseinrichtungen%20und%20Tagespflege%20zusammengenommen)%20lag%20in%20Deutschland%20im%20Jahr%202010%20für%20Kinder%20unter%20drei%20Jahren%20bei%2023%20Prozent.%20….%20Mütter%20mit%20Migrationshintergrund%20und%20Haushalte%20mit%20vielen%20Kindern%20nutzen%20für%20unter%203-Jährige%20seltener%20Tageseinrichtungen%20und%20Tagespflege%20als%20vergleichbare%20Haushalte%20ohne%20Migrationshintergrund%20bzw.%20mit%20lediglich%20einem%20oder%20keinem%20älteren%20Geschwisterkind.%20Demgegenüber%20zeigt%20sich,%20dass%20Mütter%20mit%20höherem%20Bildungsabschluss%20ihre%20Kinder%20öfter%20durch%20Tageseinrichtungen/Tagespflege%20betreuen%20lassen%20als%20anderweitig%20vergleichbare%20Mütter%20mit%20niedrigem%20oder%20mittlerem%20Bildungsabschluss”.%20(Aus:%20Zeit%20für%20Familie.%20Familienzeitpolitik%20als%20Chance%20einer%20nachhaltigen%20Familienpoli-tik.%20Achter%20Familienbericht.%20März%202012.%20S.%2099f)/ppAuch%20die%20positiven%20Wirkungen%20außerfamiliärer%20Betreuungseinrichtungen%20für%20Kinder%20aus%20sozial%20schwachen%20Familien%20werden%20vom%208.%20Familienbericht%20deutlich%20relativiert:%20br%20/“Die%20Mehrzahl%20der%20hauptsächlich%20im%20US-amerikanischen%20Raum%20durchgeführten%20Studien%20deutet%20auf%20eine%20positive%20Wirkung%20der%20frühkindlichen%20Kinderbetreuung%20auf%20kognitive%20und%20sprachliche%20Fähigkeiten%20–%20zum%20Teil%20auch%20mit%20Auswirkungen%20auf%20den%20langfristigen%20Schulerfolg%20–%20und%20gleichzeitig%20negative%20Auswirkungen%20auf%20soziale%20Kompetenzen%20hin.%20….%20Dieser%20Befund%20deckt%20sich%20mit%20Studien,%20nach%20denen%20Kinder%20aus%20niedrigen%20sozioöko-nomischen%20Lebenslagen%20am%20meisten%20von%20der%20Bildungsanregung%20der%20Kindertagesein-richtungen%20profitieren,%20jedoch%20auch%20nur%20dann,%20wenn%20diese%20eine%20gute%20Qualität%20aufweisen”.%20br%20/Diese%20Qualität%20ist%20in%20Deutschland%20jedoch%20sehr%20selten%20zu%20finden.%20Abgesehen%20vom%20Saarland%20wird%20in%20ganz%20Deutschland%20der%20international%20geforderte%20Personalschlüssel%20von%20einer%20Erzieherin%20pro%20drei%20bis%20vier%20Kindern%20unter%20drei%20Jahren%20nirgendwo%20eingehalten.%20In%20ganz%20Ostdeutschland%20liegt%20die%20Betreuungsrelation%20sogar%20mit%201%20:%206,6%20(2010)%20weit%20unter%20der%20geforderten%20Qualität.%20In%20der%20alltäglichen%20Praxis%20werden%20zudem%20die%20offiziellen%20Quoten%20jedoch%20überall%20wegen%20Krankheit,%20Urlaub%20und%20Fortbildung%20des%20Personals%20klar%20verfehlt.%20br%20/Unterm%20Strich,%20so%20eine%20bundesweite%20Studie,%20ist%20die%20notwendige%20Betreuungsqualität%20öffentlicher%20Kinderbetreuungseinrichtungen%20nicht%20gegeben:%20“In%20deutschen%20Gruppenbetreuungseinrichtungen%20überwiegen%20geringe%20(1/3)%20bis%20mittlere%20(2/3)%20Qualitätsstandards.%20Die%20notwendige%20hohe%20Qualität%20findet%20sich%20nur%20bei%202%20Prozent%20der%20Einrichtungen”.%20(Aus:%20Rainer%20Böhm:%20a%20href=a%20href=
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